Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es drei wichtige Schritte, die man immer im Hinterkopf behalten muss, wenn man erfolgreich Hypnosetechniken anwenden will. Man muss:
- Aufmerksamkeit fokussieren
- Widerstand vermeiden oder umgehen
- Automatisch ablaufende Reaktionen anregen
Ich spreche hier zwar immer von drei Schritten, aber in der Praxis kann man diese drei Schritte nicht immer klar voneinander unterscheiden und auch die Reihenfolge ist nicht immer dieselbe. Oft erledigt man diese drei Schritte alle auf einmal.
Deshalb ist es auch überhaupt kein Problem, wenn wir uns jetzt nicht an diese Reihenfolge halten. Wir überspringen Punkt 1 zunächst einmal und fokussieren unsere Aufmerksamkeit stattdessen auf Punkt 2: Widerstand vermeiden oder umgehen. Dieser Punkt ist aus zwei Gründen besonders wichtig:
Widerstand mit Hypnose brechen: Mit dem Kopf durch die Wand
Erstens widerspricht dieser Schritt ganz eindeutig dem, was man aus Filmen oder aus Hypnoseshows über Hypnose weiß. Dort geben die Hypnotiseure Befehle. Sie umgehen oder vermeiden den Widerstand nicht, sondern sie brechen ihn – oder erwecken zumindest den Eindruck als würden sie den Willen ihres Opfers brechen. Das entspricht auch durchaus der Vorgehensweise der klassisch-autoritären Hypnose. Das Problem ist aber, dass das nur unter ganz bestimmten Bedingungen funktioniert. In der Showhypnose funktioniert das z.B. unter anderem, weil der Hypnotiseur ganz gezielt Personen auswählt, die gerne bereit sind, bei dem Spiel mitzumachen, und keinen Widerstand leisten. In der Hypnosetherapie kann das funktionieren, weil man als Therapeut eine gewisse Autorität genießt und der Klient ja auch dafür bezahlt, sich Hypnotisieren zu lassen. Da wäre es ja blöd, den Anweisungen nicht Folge zu leisten.
Aber so wie das in Filmen abläuft, wo der Bösewicht mit seiner fürchterlichen Macht der Hypnose Wachmänner zwingt, die Waffen niederzulegen und den Weg zum Banktresor freizugeben, klappt das nicht.
Wir machen uns selbst das Leben schwer
Der zweite Grund, aus dem mir dieser Schritt so wichtig erscheint, dass ich mich gleich zu Beginn damit beschäftige, ist: Das ist genau das, was wir tagtäglich falsch machen, wenn wir unsere Mitmenschen beeinflussen wollen. Wir vermeiden es nicht, Widerstand überhaupt erst aufkommen zu lassen, um dann mühelos unser Ziel zu erreichen, sondern wir tun genau das Gegenteil: Wir bauen den Widerstand gegen das, was wir erreichen wollen, geradezu auf, und wundern uns dann, dass unser Gegenüber so unvernünftig und bockig ist.
Ein Grund dafür, dass wir nur allzuoft den Widerstand gegen unsere Beeinflussungsversuche selbst erzeugen, ist nicht selten, dass wir schon von vornherein glauben, dass wir auf einen derartigen Widerstand stoßen werden – oft noch ehe wir überhaupt unseren ersten Vorstoß gemacht haben. Wenn wir dann ganz ohne Vorwarnung aus der Haut fahren und unserem völlig perplexen Gegenüber Vorhaltungen machen, dass er (oder sie) nie einfach mal von sich aus auf die Idee kommt, was zu tun, und dass wir es leid sind, immer darum betteln zu müssen – dann sind wir so weit davon entfernt, Hypnotiseur zu sein, wie es nur irgend geht.
Der erste Schritt auf dem Weg, Hypnose ganz einfach im Alltag anzuwenden, besteht darin, zu merken, bei welchen Gelegenheiten man sich das Leben selbst unnötig schwer macht, indem man die Probleme, die man am am liebsten mit Hypnose wegzaubern würde, überhaupt erst selbst erzeugt. Man muss nicht immer komplizierte Hypnosetechniken anwenden. Meistens reicht es schon völlig, die allergrößten Fehler, die wir immer wieder machen, wenn wir versuchen, unsere Mitmenschen zu etwas zu bewegen, einfach mal sein zu lassen.
Nach dem Hypnosekurs
Wenn man anfängt, Hypnose zu lernen, dann bekommt man meistens genau damit Probleme. Wenn man an einem Hypnosekurs teilnimmt, dann hat man innerhalb dieser Veranstaltung Trainingspartner, die bereitwillig mitmachen. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Man weiß, dass man selbst ein „Opfer“ zum Üben braucht, und stellt sich deshalb auch gerne selbst zur Verfügung. Man kann darauf vertrauen, dass die Trainingspartner keinen Unfug mit einem anstellen. Und im Zweifelsfall ist da ja auch noch der Kursleiter, der aufpasst, dass so etwas nicht vorkommt.
Außerhalb des Kurses sieht das aber leider ganz anders aus. Es ist wirklich schwierig, geeignete Versuchspersonen zu finden. Die meisten Menschen blockieren sofort, wenn sie nur das Wort „Hypnose“ hören. Das ist wirklich schade, denn Hypnose ist eine feine Sache, mit der man sehr viel Gutes für sich und seine Mitmenschen tun kann.
Falls Sie bereits vor dem Problem gestanden haben, jemanden zum Üben zu finden, dann wissen Sie auch, dass Versuche, über die gängigen Vorurteile gegen Hypnose aufzuklären oder die eigene Integrität zu beteuern, nicht weiter helfen.
Sie können diesen Widerstand vielleicht nicht brechen. Aber sie können ihn umgehen!
Das schlimme Wort „Hypnose“ vermeiden
Es gibt einen ganz einfachen Weg, wie man das erreichen kann. Geben Sie dem Kind einfach einen anderen Namen. Das Wort Hypnose macht Probleme. Viele Menschen haben Angst vor Hypnose, aber kaum jemand fürchtet sich vor einer kleinen Entspannungsübung oder einer Visualisierungsübung oder einer geführten Fantasiereise.
Selbstverständlich müssen Sie dann das, was Sie in dieser Übung tun, an die Bezeichnung anpassen. Wenn Sie nur eine kleine Entspannungsübung machen, und dann ihren Trainingspartner dazu bringen, seinen Namen zu vergessen oder ihm suggerieren, seine Hand würde am Tisch festkleben, dann merkt der natürlich, dass da was nicht stimmt, und reagiert unter Umständen mit heftiger Ablehnung – und zwar zu Recht.
Achten Sie immer darauf, dass Sie das Vertrauen Ihrer Mitmenschen nicht verspielen. Dieses Vertrauen ist das ganze Kapital des Hypnotiseurs. Wenn Sie leichtfertig damit umgehen, dann verderben Sie es nicht nur für sich, sondern auch für alle anderen, die von den positiven Effekten der Hypnose profitieren könnten. Seien Sie in dieser Hinsicht also lieber etwas übervorsichtig.
Man kann aber unsere drei Schritte auch anwenden, ohne dass man überhaupt den Eindruck erweckt, man täte etwas Besonderes. Im Grunde genommen ist es ja auch nichts Besonderes. Wir machen diese drei Schritte tagtäglich, ohne darüber nachzudenken. Nur gerade dann, wenn man diese drei Schritte am dringendsten bräuchte, macht man es meistens genau anders herum. Der Hypnotiseur unterscheidet sich dadurch, dass er sich dieser drei Schritte bewusst ist.
Wenn man das so macht, dann braucht man sich auch keine Gedanken darum zu machen, welchen Namen man der Übung gibt. Dazu nächste Woche mehr.
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