Montag, 20. Juli 2015

Keine Hypnose ohne Selbsthypnose

Spielplatz

Letzte Woche habe ich darüber gesprochen, wie wir uns selbst das Leben schwer machen, wenn wir im Zusammenhang mit Hypnose immer zuerst an eine Formelle Induktion mit einer tiefen, langanhaltenden Trance denken. In unserer Definition von Hypnose kommt aber der Begriff „Trance“ überhaupt nicht vor. Wir erinnern uns: Es geht uns als Hypnotiseur lediglich darum, dass wir:

  1. Aufmerksamkeit fokussieren
  2. Widerstand vermeiden oder umgehen
  3. Automatisch ablaufende Reaktionen anregen

Vermutlich sind Sie beim Lesen dieser drei Zeilen immer davon ausgegangen, dass ich hier in erster Linie von der Aufmerksamkeit, dem Widerstand und den automatisch ablaufenden Reaktionen der Person, die Sie hypnotisieren wollen, spreche. Das stimmt natürlich. Aber Sie müssen, um als Hypnotiseur erfolgreich zu sein, genau das gleiche für sich selbst erreichen.

Selbstverständlich müssen Sie ihre eigene Aufmerksamkeit fokussieren. Und Sie wollen, dass Sie das mit Leichtigkeit erledigen. Sie wollen nicht gegen Versagensängste oder andere Widerstände ankämpfen müssen. Und Sie wollen auch nicht über all die vielen kleinen lästigen Details von Hypnosetechniken nachdenken müssen. Sie wollen, sich nicht in Details verlieren, sondern den Kopf frei haben, um den Überblick zu behalten. Sie wollen das Ziel im Auge behalten aber nicht über jeden einzelnen Schritt nachdenken müssen.

Denken Sie bei Hypnose immer zuerst an sich

Das bedeutet, Sie wollen nicht nur Ihren Partner hypnotisieren. Sie wollen genau das gleiche auch für sich. Unsere drei Schritte sind kein Rezept, wie man Andere manipuliert und über’s Ohr haut. Es geht darum, wie man mit Leichtigkeit das Ziel erreicht. Es geht um die Eigenschaften und Fähigkeiten, die Meister ihres Faches auszeichnen. Man geht die Aufgabe mit wacher Aufmerksamkeit an, umschifft sämtliche Klippen mit Leichtigkeit und handelt ohne langes Grübeln.

Das herkömmliche Bild von Hypnose ist geprägt vom Gegensatz vom Hypnotiseur zum Hypnotisant. Der Hypnotiseur übt Kontrolle aus. Er selbst ist nicht in Hypnose und befiehlt dem Hypnotisant, Dinge zu Tun, die er selbst nie tun würde.

Was wir anstreben ist das Gegenteil von diesem Bild: Wir geben keine Befehle, sondern wir zeigen Möglichkeiten auf. Und das tun wir, indem wir mit gutem Beispiel voran gehen. Wir wollen in der Interaktion mit unserem Partner eine Situation schaffen, in der die Kommunikation ohne Widerstände, natürlich und reibungslos ablaufen kann.

Und wir alle haben schon solche völlig reibungslos verlaufenden Gespräche mit anderen Menschen gehabt. Das heißt: es geht hier nicht um besondere Fähigkeiten, die man mühsam erwerben muss, und es geht auch nicht darum, dass man dabei über irgendwelche komplizierten Techniken nachdenken muss. Jeder von uns ist dazu in der Lage. Wir machen das oft so selbstverständlich, dass wir nicht einmal darüber nachdenken. Aber manchmal machen wir es einfach falsch, und zwar oft gerade dann, wenn es wirklich darauf ankommt. Gerade weil es darauf ankommt machen wir es falsch. Wir machen uns Sorgen und fangen an, unsere Aufmerksamkeit auf mögliche Schwierigkeiten zu fokussieren. Wir beginnen, gegen Widerstände anzukämpfen, noch ehe Sie überhaupt aufgetreten sind, und dadurch wecken wir sie überhaupt erst. Wir scheinen völlig vergessen zu haben, dass wir wissen, wie man es richtig macht. Und das hängt wieder mit dem kontextabhängigen Wissen zusammen, das ich letzte Woche bereits erwähnt habe. Wir haben grundsätzlich die Fähigkeiten, aber gerade dann, wenn wir Sie am dringendsten bräuchten, sind wir nicht in der Verfassung diese Fähigkeiten abzurufen.

Sie müsse sich, wenn Sie Hypnose anwenden wollen, grundsätzlich immer in einer brauchbaren Gemütsverfassung befinden. Ohne den richtigen Bewusstseinszustand helfen Ihnen alle Hypnosetechniken nicht.

Die offensichtliche Lösung für dieses Problem besteht darin, sich durch Selbsthypnose in den richtigen Bewusstseinszustand zu versetzen. Und das ist wirklich einfacher als Sie vielleicht denken:

Übung: Die Innere Einstellung des Hypnotiseurs

Denken Sie einmal an einen Menschen, mit dem Sie im Allgemeinen eine gute Chemie haben. Es sollte dabei nicht unbedingt um eine romantische Beziehung gehen, sondern eher um einen guten Freund oder eine gute Freundin. Und mit diesem Menschen hatten Sie sicher einmal ein Gespräch, wo einfach alles gestimmt hat. So ein ganz besonderer Moment. Wann war das? Und wo waren Sie da? Versetzen Sie sich mit allen Sinnen in diese Situation. Wo waren Sie genau? War das drinnen oder draußen? Was haben Sie gesehen und gehört? Gabe es vielleicht besondere Gerüche? Wie war die Temperatur? Und wie sah Ihr Partner dabei aus? Wie war sein Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung? Und war seine Stimme nicht irgendwie anders als sonst? Und wie ist das bei Ihnen? Wie ist Ihre Körperhaltung und ihr Gesichtsausdruck in dieser Situation vielleicht etwas anders als sonst? Und ich weiß, dass Sie in dieser Situation, in der alles so wunderbar passt, ein ganz bestimmtes Gefühl haben. Wo sitzt dieses Gefühl? Im Kopf? Oder in der Brust oder im Bauch? Und vermutlich merken Sie auch, dass Ihre Atem viel ruhiger und tiefer geht als sonst. Und auch ihre Stimme ist ruhig und etwas tiefer. Und während Sie an diesen besonderen Moment denken, merken Sie, wie sich tatsächlich ihre Atmung verändert hat, und Ihre Körperhaltung und ihr Gesichtsausdruck, und Sie tatsächlich dieses ganz bestimmte Gefühl haben, dass Ihnen anzeigt, dass Sie diesen besonderen Zustand erreicht haben. Sie brauchen nichts weiter zu tun. Genießen Sie einfach ein wenig dieses Gefühl. Und Sie können sich freuen, weil Sie mit dieser einfachen Übung, auf sehr angenehme Weise trainieren können, sich in einen optimalen Bewusstseinszustand für Hypnose zu versetzen.

Diese einfach Übung können Sie als Trockenübung machen, einfach um zu üben, schnell diesen Bewusstseinszustand in sich wachzurufen. Machen Sie es sich dazu einfach bequem, lesen Sie ein paar mal die Beschreibung der Übung, und beobachten Sie einfach, was in Ihnen vorgeht, währen Sie sich diese Fragen stellen. Schließen Sie dabei ruhig die Augen. Das hilft dabei, innere Bilder in sich wachzurufen. Führen Sie dabei auch ruhig Selbstgespräche.

Selbsthypnose in den Alltag integrieren

Wenn Sie das ein paar mal gemacht haben, dann merken Sie, dass Sie diesen Zustand immer schneller in sich wachrufen können. Sie brauchen nur an diesen besonderen Moment zu Denken, und merken sofort, wie sich Ihre Atmung und Ihre Körperhaltung und Ihr Gesichtsausdruck verändern. Sie brauchen dann nur noch 1–2 Atemzüge, um den richtigen Bewusstseinszustand zu erreichen.

Dann können Sie üben, diesen Zustand ganz bewusst zu erreichen, ehe sie mit andern Menschen sprechen. Sie können das z.B. beim Bäcker oder an der Fleischtheke üben, während der Kunde vor Ihnen bedient wird.

Und dann werden Sie sich bewusst, dass Sie dieses Gefühl von tiefem Verständnis nicht nur mit dieser einen Person haben können, sondern mit jedem Menschen.

Wenn Sie anderen Menschen mit dieser Inneren Einstellung begegnen, dann sind sie geradezu darauf eingestimmt, ganz natürlich Rapport aufzubauen. Das funktioniert wesentlich besser, als mit mechanisch angewandten Techniken wie dem bewussten Spiegeln des Gegenübers, einen Rapport künstlich herbeiführen zu wollen.

Und Sie können das ganz einfach jederzeit üben und anwenden. Sie zielen damit nicht auf große Wow-Effekte ab und laufen deshalb auch nicht Gefahr, dass sie grandios scheitern und sich blamieren. Aber mit dieser einfach Übung legen Sie vermutlich die wichtigste Grundlage für Hypnose überhaupt.

Nächste Woche zeige ich Ihnen, wie sie trainieren, diese Fähigkeit stressfest zu machen, damit Sie sie auch dann zur Verfügung haben, wenn Sie sie am dringendsten brauchen.

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