Letzte Woche habe ich eine einfache Übung beschrieben, mit der Sie sich schnell und einfach in einen Bewusstseinszustand versetzen können, der ideal für Hypnose ist. Mit nur ein klein wenig Übung können Sie sich in genau den ressourcenreichen Zustand versetzen, in dem Sie vollen Zugriff auf ihr natürliches Kommunikationstalent haben. Es gibt da allerdings einen kleinen Haken: Oft vergessen wir im entscheidenden Moment auch solche einfachen Techniken.
Auch wenn man diese Übung bereits zigmal in alltäglichen Situationen geübt hat, und sie einem in diesen Situationen zur Gewohnheit geworden ist — gerade dann, wenn wir es am dringendsten bräuchten, vergessen wir völlig, dass wir dieses Werkzeug zur Verfügung haben.
Das hängt wieder mit dem Kontextabhängigen Lernen zusammen: Wir haben diese Technik zunächst in entspannter Atmosphäre für uns allein geübt. In diesem entspannten Zustand haben wir kein Problem damit, diese Übung zu machen. Dann haben wir diese Übung in Alltagssituationen angewendet. Normalerweise sind wir auch da noch recht entspannt.
Aber dann kommen wir irgendwann in eine problematische Situation, eine Auseinandersetzung oder einfach nur ein dummes Missverständnis, in der wir einen guten Rapport mit unserem Gegenüber und die entsprechenden anderen Ressourcen, die damit einhergehen (wie z.B. eine besonnene Gelassenheit und Einfühlungsvermögen) wirklich gut gebrauchen könnten, aber wir vergessen diese Übung völlig. Nicht nur, dass diese Übung, die uns in anderen Situationen schon zur Gewohnheit geworden ist, jetzt nicht automatisch abläuft — wir denken noch nicht einmal daran, sie Bewusst auszuführen. Anstatt einen Schritt zurückzutreten, einen tiefen Atemzug zu machen und uns in den ressourcenreichen Zustand zu versetzen, verfallen wir in alte Verhaltensmuster. Es ist als hätten wir überhaupt nichts dazu gelernt.
Erst später, wenn wir wieder etwas ruhiger werden, fällt uns ein, dass wir diese Übung vergessen haben. Wenn Sie meinen Blog soweit verfolgt haben, dann haben Sie vermutlich eine Idee, wie man dieses Problem bewältigen kann:
Man muss die Fähigkeit ganz bewusst in einem Kontext üben, welcher der Problemsituation möglichst nahekommt.
Sie haben bereits gesehen, wie man sich in diesen positiven Bewusstseinszustand versetzt, in dem man die nötigen Ressourcen zur verfügung hat. Genau so können Sie sich aber auch in den ressourcenarmen Zustand versetzen, in dem Sie bisher nicht einmal daran gedacht haben, auf ihre Fähigkeiten zuzugreifen. Und genau das können Sie nutzen, um ihre Fähigkeiten stressfest zu machen.:
Wie man Probleme wegPUZT:
Zunächst versetzen wir uns (oder eine andere Person, die wir coachen oder therapieren) in den Problemzustand. Dann setzen wir einen Impuls, diesen Problemzustand zu Unterbrechen und versetzen uns anschließend in den Zielzustand. Dann versetzen wir uns in wieder in die Problematische Situation und Testen wie sich diese Übung auswirkt. Wenn wir mit dem Ergebnis zufrieden sind, sind wir fertig, ansonsten wiederholen wir die vier Schritte einfach noch einmal.
Diese Methode ist das Grundmuster für alle Arten von Veränderungsarbeit. Man trainiert schlicht und einfach die Veränderung, die man erreichen will. Man fängt mit dem Ist-Zustand an und vollzieht die Veränderung zum Soll-Zustand. Und das trainiert man dann solange wie notwendig.
Auch wenn das Muster immer das gleiche ist, können unterschiedliche Anwendungen und selbst unterschiedliche Durchgänge innerhalb einer Anwendung völlig unterschiedlich aussehen. Man kann das ganze völlig transparent gestalten, so dass die betreffende Person die Vorgehensweise bewusst wahrnimmt und steuert. Oder man kann das Muster in der Trancearbeit verwenden, in Metaphern verpacken und den bewussten Verstand aus dem Prozess heraushalten. Man kann das Training nur in Gedanken durchspielen, die Situation in einem Rollenspiel simulieren oder das Zielverhalten in der realen Situation trainieren. Mann fängt mit einfachen Übungen und einfachen Tests an. Wenn das Training anschlägt steigert man langsam den Schwierigkeitsgrad.
Wie könnte dann diese Vorgehensweise konkret bei unserer Übung zur Inneren Einstellung des Hypnotiseurs aussehen?
Wie Sie den Zielzustand erreichen, haben Sie bereits geübt. Sie habe dazu Erinnerungen an eine konkrete Situation, in der Sie diesen Zielzustand bereits erlebt haben, in sich wachgerufen. Gehen Sie die Anleitung von letzter Woche noch einmal durch. Sie haben vielleicht gemerkt, dass die Fragen, die ich in dieser Übung gestellt habe, auf ein einzelnes Ereignis abzielen und nicht auf eine typische Situation. Das hat den Vorteil, dass Sie sich mit allen Sinnen an einen Ort, in eine bestimmte Situation hineinversetzen können und nicht in ein Gemenge von unterschiedlichen teils widersprüchlichen Wahrnehmungen.
Genau so, wie Sie den Zielzustand in sich wachrufen, können Sie auch Erinnerungen and den Problemzustand abrufen und sich so in diesen Zustand hineinversetzen. Gehen Sie einfach die Übung von Letzter Woche mit veränderten Vorzeichen durch. Denken Sie einfach an eine konkrete Situation, in der die Kommunikation mit einem Menschen nicht gut gelaufen ist.
Negative Bewusstseinszustände schnell unterbrechen
Sie wollen diesen negativen Zustand sicherlich nicht gerne über längere Zeit aufrecht erhalten. Negative Bewusstseinszustände beenden zu können, ist eine wirklich nützliche Fähigkeit. Eine sehr einfache Methode ist, mit einer schnellen ruckartigen Bewegung, „Stop!“ zu sagen.
Wenn etwas unvorhergesehenes, überraschendes und möglicherweise bedrohliches passiert, dann reagieren wir, indem wir zusammenzucken und für einen kurzen Moment vergessen, was uns gerade noch beschäftigt hat. Das ist eine Art Alarmprogramm, das dafür sorgt, dass wir uns auf die neue Situation einstellen. Wir können uns selbst schlecht überraschen, aber wir können dieses Alarmprogramm starten, indem wir ganz bewusst zusammenzucken.
Wenn man das Verhaltenstraining mit einer anderen Person zusammen macht, dann braucht man diesen drastischen Stopimpuls nicht unbedingt. Der Nachteil bei dieser Methode ist, dass dieser Stopimpuls natürlich mit in das neue Verhaltensmuster mit eingeht. Man ist dann immer ein klein wenig überrascht, wenn man das neue Verhaltensmuster durchläuft. Und das führt dazu, dass man sich der veränderten Reaktionsmuster eher bewusst wird. Es ist zwar ganz schön, wenn man sich des Erfolges der Veränderungsarbeit bewusst wird, aber es hat durchaus Vorteile, wenn die neuen Verhaltensmuster so einfach und natürlich ablaufen, dass man die Veränderung überhaupt nicht bemerkt. Wenn man die Veränderungsarbeit mit einem Klienten macht, kann man den Übergang vom Problemzustand zum Zielzustand weicher gestalten, und Prozesse, welche die Veränderung bewusst werden lassen, aussparen.
Wenn man die Veränderungsarbeit an sich selbst vornimmt, dann ist das Bewusstsein aber eh an diesem Prozess beteiligt, und dann ist diese einfache Methode wirklich sehr hilfreich. Und diesen Unterbrecher kann man auch sonst immer mal gut gebrauchen. Immer wenn man feststellt, dass man bereits zu lange in einer wenig hilfreichen Verfassung ist, kann man diesen Zustand unterbrechen.
Nun fehlt uns für unser für unser PUZT nur noch das T, das Testen des Ergebnisses. Das ist wirklich ganz einfach. Nachdem man den negativen Zustand unterbrochen hat und die Ressourcen hinzugefügt hat, konfrontiert man die entsprechende Person wieder mit der Problemsituation, und beobachtet, wie sich die Emotionale Reaktion verändert hat. Wenn die Reaktion uneingeschränkt positiv ausfällt, ist die Arbeit beendet. Falls es noch etwas zu tun gibt, PUZT man einfach weiter. Man kann dann direkt vom T in das nächste P springen.
Im Grunde genommen geht es hier wirklich nur um ganz einfache Lernprozesse. Und was grundsätzlich für alle Lernprozesse gilt, gilt auch hier. Man lernt durch Wiederholung. Oft geht das sehr schnell, aber manchmal braucht man halt etwas länger, damit es wirklich sitzt. Die Zeit muss man sich dann einfach nehmen. Fangen Sie leicht an und steigern Sie dann allmählich den Schwierigkeitsgrad. Wenn man anfängt zu Joggen, beginnt man nicht mit einem Marathon und wenn man Differentialgleichungen lösen will, muss man erst die vier Grundrechenarten beherrschen.
Wenn Sie die Übungen zur Inneren Einstellung des Hypnotiseurs machen, dann fangen Sie erst einmal mit Trockenübungen an, dann üben Sie die Anwendung in unproblematischen Situationen, und dann machen Sie sich an das Training in Problemlagen. Sie machen das Training zuerst nur in Ihrer Vorstellung (ob mit oder ohne tiefer Trance), aber letzten Endes müssen Sie immer die reale Situation austesten. Wenn Sie z.B. jemandem helfen wollen, mit dem Rauchen aufzuhören, dann wollen Sie, dass er Ihnen ins Gesicht lacht, wenn Sie ihm den Aschenbecher hinstellen und ihm sagen, er solle sich ruhig eine anzünden.
Ein fehlgeschlagener Test ist kein Beinbruch. Es geht hier nicht um eine Abiturprüfung, die über den Rest des Lebens entscheiden kann. Wenn der Test fehlschlägt, dann bedeutet das lediglich, dass man noch ein wenig weiter PUZT. Wenn Sie beim Testen rigoros vorgehen, dann können Sie auch sicher sein, dass sie die neuerworbenen Fähigkeiten auch in der Praxis anwenden können.